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EPOS – Eine Einführung

EPOS-LogoePortfolio-Systeme werden heute – in Ergänzung zu e-Learning-Systemen – zunehmend zur Unterstützung selbst­organisierten Lernens eingesetzt. Sie fördern handlungsorientiertes Lernen und dienen der Entwicklung von fach­lichen Kompetenzen und fachübergreifender Schlüsselqualifikationen, etwa im General Studies-Bereich oder beim Sprachenlernen. EPOS unterstützt dabei die gesamte „Lernkette“, von der eigenständigen Einschätzung vor­handener Kompetenzen über die Bestimmung der eigenen Lernziele zur Verminderung von Kompetenzdefiziten bis zur Erstellung und Dokumentation eigener Lernergebnisse sowie der Beratung durch die Lehrenden zu Lernstrategien und ‑methoden. EPOS kann auch in Kombination mit e-Learningssystemen, z.B. Moodle, eingesetzt werden. Dadurch werden Selbstlerneinheiten mit Kurs-basierten Lehrkonzepten verbunden.

Der Einsatz von EPOS begann bereits vor einigen Jahren am Fremdsprachenzentrum der Hochschulen im Land Bremen und wird heute an mehr als 20 Universitäten und Bildungseinrichtungen regelmäßig zum Sprachen­lernen genutzt. Die Basis von EPOS ist das Europäische Sprachenportfolio des Europarats (ESP), das zur För­derung individueller Mehrsprachigkeit entwickelt wurde. Schon das ESP setzt dabei auf Handlungsorientierung, Kompetenzen und Selbstlernen. Die Nutzungsformen von EPOS reichen von der Unterstützung im Tutorenpro­gramm und beim Tandem-Lernen bis zur Begleitung in regulären Sprachkursen oder als Vorbereitung auf ein Auslandssemester.

EPOS ist aber nicht auf das Sprachenlernen beschränkt. Überall, wo Kompetenzen als Leitziel der Ausbildung gelten – das ist heute in beinahe allen Fächern der Fall – ist der EPOS-Einsatz sinnvoll. Um einige Beispiele jenseits des Sprachenlernens zu nennen:

  • Piloteinsatz von EPOS im Studiengang Biologie. Er dient dort im Rah­men der Orientierung im Grundstudium zur Ermittlung fachbezogener, aber auch fachübergreifender Kompeten­zen.
  • Einsatz von EPOS zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen
  • Nutzung von EPOS für die Karriereplanung, z.B. PDP – Personal Development Planning in Großbritannien.

Anhand didaktisch orientierter Szenarien werden weitere Fächer in die EPOS-Nutzung einbezogen. Zurzeit beinhaltet EPOS ca. 15 Kompetenzraster, die fortlaufend in Zusammenarbeit mit den Fächern erweitert werden.

Selbsteinschätzung: Was kann ich schon?

Anhand dieser Kompetenzraster, die oft von Fachorganisationen entwickelt und zum Teil in curricularen Rahmen­ordnungen als Bildungsstandards formuliert wurden, können Studierende in EPOS ihre vorhandenen Qualifika­tionen ermitteln. Beim Sprachenlernen ist dies z. B. das weit verbreitete Europäische Sprachenportfolio, mit dem Studierende in EPOS überprüfen können, welches Sprachniveau sie z. B. für das Studium in einem internationa­len Studiengang mitbringen. Gleich­zeitig dient EPOS in diesem Zu­sammenhang auch zur Einstufung in Sprachkurse mit unterschiedli­chem Zielniveau. Eine Selbstein­schätzung kann archiviert und spä­ter, z. B. am Ende eines Sprach­kurses, noch einmal durchgeführt werden. EPOS ermöglicht einen Vergleich beider Selbsteinschätzun­gen und zeigt grafisch den Lern­fortschritt an. Die Selbsteinschätzung kann auch durch eine „Fremdeinschätzung“ (durch Peers oder Lehrende) ergänzt werden. Dadurch kann zugleich überprüft werde, ob sich ein Lernender systematisch über-oder unterschätzt.

Lernziele: Was will ich durch den Lernprozess erreichen?

Im Rahmen der Selbsteinschätzung können die Studierenden anhand des verwendeten Kompetenzrasters ermitteln, was sie schon gelernt haben und welche Lernziele sie (z. B. im laufenden Semester) erreichen möchten. Die Lernziele aus den Kompetenzrastern können in EPOS durch persönliche, frei formulierte Lernziele ergänzt wer­den, z. B. für interkulturelle Kommunikation. Die formulierten Lernziele können dann mit Aufgaben, Vorhaben oder Projekten verbunden werden, die handlungsorientiert die Herausbildung von Kompetenzen fördern. Das EPOS-Modul „Lern-Zeit-Management“ wird in Zukunft die Organisation und Strukturierung des Selbstlernens unterstützen.

Dossier: Selbsterstellte Produkte – von Seminarpapieren bis zu Ausspracheübungen

Lernergebnisse, z. B. Lösungen von Übungsaufgaben, Praktikums-/Projektberichte, Seminarpapiere, Audio- oder Video-Podcasts, Software-Prototypen usw., werden zur Dokumentation im Dossier von EPOS abgelegt. Dort können aber auch Zertifikate als Beleg für erfolgreiche Studienleistungen innerhalb oder außerhalb der Bildungseinrichtung eingestellt werden, z. B. ein Sprachenpass, eine Praktikumsbescheinigung, der Nachweis erfolgreicher Teil­nahme an externen Seminaren oder Wettbewerben usw., sowie generell die Sammlung von Open Badges. Damit unterstützt EPOS auch die Einbeziehung des informellen und non-formalen Lernens, das heute zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Reflexion des eigenen Lernprozesses in Lerntagebüchern

Um die Effektivität und Effizienz des Lernens zu unterstützen, ist die Reflexion des Lernprozesses und der Lern­ergebnisse durch die Studierenden von großer Bedeutung. EPOS ermöglicht die Anlage eines Lerntagebuchs, in dem die Lernschritte, aber auch der persönliche Lernprozess, z. B. eines ganzen Semesters, durchdacht und Strategien für eine bessere Lernorganisation und -methodik entwickelt werden können. Zur Unterstützung der Reflexion können Lehrende Leitfragen entwickeln und unterstützende Anleitungen im Lerntagebuch hinterlegen sowie Feedback geben.

Biographie: Meine Lerngeschichte – mein Studienverlauf

In der EPOS-Biographie stellen die Studierenden ihren Studienverlauf und ihren vor- und außeruniversitären Kom­petenzerwerb im Überblick dar. Präsentationsbiographien, Beratungsbiographien oder Bewerbungsbiographien ermöglichen eine flexible, zielorientierte Zusammenstellung der erworbenen Kompetenzen.

Ansichten: Präsentation der Lernergebnisse für andere

Ausgewählte Lernprozesse und -ergebnisse können in EPOS flexibel für bestimmte Zwecke in „Ansichten“ zu­sammengestellt und von den Lernenden für bestimmte Personen (Lehrende, Peers, zukünftige Arbeitgeber) aktiv frei gegeben werden. Dies dient der Erlangung von Feedback oder auch der eigenen Darstellung nach außen.

Gruppen: Lernen in Kooperation mit anderen Studierenden

Selbstlernen (als Entscheidung über die eigenen Lernziele und -methoden) und gemeinsames Lernen mit ande­ren (als soziale Lernumgebung) sind keine Widersprüche. Sie ergänzen sich in EPOS als zwei Seiten eines er­folgreichen Lernprozesses.